Historische Holzverwendung in Österreich
2012
Ziel des Projektes ist die Rekonstruktion der historischen Holzverwendung in Österreich. Dazu werden Museumsobjekte aus drei österreichischen Museen untersucht. Es werden Holzartenbestimmungen durchgeführt, wenn möglich eine Datierung vorgenommen, sowie rekonstruiert, aus welchem Teil des Baumes das Objekt herausgearbeitet wurde.
Dadurch wird der Einsatz der heimischen Holzarten in den verschiedenen österreichischen Regionen und über eine Zeitachse von einigen hundert Jahren analysiert. Dies ermöglicht eine erweiterte Beschreibung der heute häufig verwendeten Holzarten durch historisches Wissen, sowie eine Wiederbelebung der Kenntnisse von mittlerweile selten genutzte Holz- bzw. Straucharten.
Bei der Auswertung der Holzartenbestimmungen werden Objektgruppen gebildet. Jede Gruppe fordert spezielle Holzeigenschaften. Durch diese Gruppenzuordung soll der Zusammenhang zwischen Holzart, Holzeigenschaften und Verwendung deutlich werden.
Die Altersbestimmung wird mit Hilfe der Dendrochronologie durchgeführt. Die Methode wird vor allem bei der Datierung von Gebäuden angewendet. Es werden jedoch auch Museumsobjekte datiert, sofern sie ausreichend Jahrringe aufweisen (d.h. mindestens 30 Jahrringe) und aus einer zur Datierung geeigneten Holzart hergestellt wurden (d.h. Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche oder Eiche). Zu diesen Objekten zählen beispielsweise Kästen, Truhen, Kommoden, Türen und Fassdauben. Die Datierung von Museumsobjekten soll neben der zeitlichen Einordnung auch der Rekonstruktion von alten Handwerkstechniken dienen. Außerdem ermöglicht eine Datierung eine Erweiterung des volkskundlichen Wissens über Bauernmöbel bzw. einen Vergleich zwischen volkskundlichen Datierungsmethoden und der Dendrochronologie.
In vergangener Zeit wurden nicht nur die geraden Hauptstämme verwendet, sondern beinahe alle Stammabschnitte bzw. abnormale Wuchsformen wie z.B. Krummholz, Wurzelansätze, Ast-Stamm-Anbindungen oder Stammverzweigungen. Viele Museumsobjekte wurden aus diesem speziellen Holz gefertigt und zeugen von den daraus resultierenden Vorteilen. Zu diesen Objekten zählen Schlittenkufen, Dachrinnenhaken, Kummets, Quirl, gebogene Werkzeugstiele und Vieles mehr.
Am Ende des Projektes soll eine Datenbank entstehen. In dieser Datenbank soll die Objektbeschreibung mit den Holzeigenschaften, der Region und dem Jahrhundert verbunden werden.
Das Inventar folgender Museen wird in dem Projekt untersucht:
- das Waldbauernmuseum in Gutenstein im Schneeberggebiet
- das Freilichtmuseum in Stübing bei Graz
- Museum für Volkskultur in Spittal an der Drau
Innerhalb der Österreichischen UNESCO-Kommission beschäftigt sich die Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe mit Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten, die Gemeinschaften als Bestandteil ihres Kulturerbes verstehen. Dazu zählen unter anderem traditionelle Handwerkstechniken sowie Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum. Ziel ist, Bewusstsein für die Erhaltung, Vermittlung und Förderung des immateriellen Kulturerbes in Österreich zu schaffen.